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Frankfurter Buchmesse 2013: Ein laues Lüftchen Nachhaltigkeit - Unsere Reise ins "WALUBO-Land" | Wasser-Luft-Boden-Land

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Frankfurter Buchmesse 2013: Ein laues Lüftchen Nachhaltigkeit


Klimawandel, Energiewende, Veggiday, Bankenwirtschaft und sozial nachteilige Veränderungen wie Lohndumping beispielsweise prägen heute die politischen Diskussionen. Nachhaltigkeitsthemen erlangen zunehmend Bedeutung, glaubt man. Nicht so auf der größten Bücherschau der Welt. Kaum eine Anbieter, schon gar nicht im Kinder- und Jugendbuchsektor der alljährlich wiederkehrenden Weltschau der gedruckten Worte und Bilder, der gebührend ihrer Bedeutung nachhaltige Themen in den Vordergrund stellt.

Wie im letzten Jahr halten sich die großen Verlage an vermarktbare Inhalte und Aufmachungen ihrer Bücher. Mainstream-Content soweit das Auge reicht, auch bei den Cross-Media-Versuchen, Bekanntes aus der Literaturwelt über computergestützte Geräte neu zu vermarkten. Storytelling, wie das neudeutsch heißt, wagt sich nicht an  Inhalte mit Blick auf nachhaltiges Leben. Vermarktet wird, was im vergangenen Leben schon einmal Käufer gefunden hat.

Klassisch sind Wissensbücher und Lexika im Bereich der Naturwissenschaften und Sachbücher nach dem Was ist Was?-Schema, in denen nebenbei auch ökologische bzw. Nachhaltigkeitsthemen angerissen werden. Vielleicht liegt es daran, dass der Begriff der Nachhaltigkeit nicht klar umrissen und sehr weit gefächert aufgefasst wird. Wen wundert dann noch das Streifen der Sache: nachhaltig ist eben auch der Tod.

Auch Kinderbuchverlage richten ihr Programm vor allem nach der Prämisse der möglichen Vermarktung aus.

Lernen und Wissen stehen im Vor- und Grundschulprogramm im Vordergrund. Nahezu alle Themen lassen sich in mehr oder weniger aufwändigen und buchähnlichen Prints finden, ausgenommen belletristischer Behandlung des Themas Nachhaltigkeit. Vielmehr stehen Schulfitness, Alltagstauglichkeit und Wissensvermittlung im Vordergrund, eben doch wieder nur eine Steigerung der Leistungsfähigkeit unserer Kinder.

Kein Wunder dann, wenn es an Geschichten fehlt und die Aufarbeitung in den Medien selbst eine reduzierte sein muss. „Wir haben keine belletristische Literatur im Angebot“, so eine Lektorin eines angesehenen Verlags mit Spezialisierung auf Kinder- und Jugendbücher. „Kinder strengt Lesen viel zu sehr an. Deshalb bieten wir nur noch kurze Texte. Die Bücher werden deshalb immer dünner und realistisch ausgestaltete Illustrationen, auf denen viel zu sehen ist, sind für viele Kinder zu anstrengend.“

Das ist kein unerklärliches Phänomen bei den ultrakurzen Bildwechseln in Computervideos und -spielen, Film und Fernsehen. Wer lernt heute eigentlich noch hin zuschauen? Wer lernt am natürlichen Objekt entdecken, was zu sehen, zu hören, zu fühlen, zu riechen und zu erkennen ist? Bits und Bytes mögen allgegenwärtig Welten auf dem Bildschirm verfügbar machen, die Kommunikation mit dem Weltausschnitt kann jedoch nicht stattfinden. Dazu müssen wir uns nach draußen begeben, nasse Füße und auch mal einen Schnupfen holen.

Das Abenteuer Leben auf der Erde wird als „aufwändig vertonte Entdeckungsreise mit tollen Sounds und mit vielen anschaulichen und hoch informativen Hörgeschichten in Häppchen“ einer nur nach dem „Besten für mein Kind“ strebenden Elternschaft als pures Spiel- und Lernvergnügen im Geschenkset multimedial und mehrsprachig angeboten, das gleichzeitig Einblick in Demografie und Politik, Natur und Tiere, Geschichte und Kultur aller Länder bietet. Eine intellektualisierte eierlegende Wollmilchsau für Kinder im Grundschulalter, ein bunter Blumenstrauß, dessen Blüten nach ein paar Besichtigungen abfallen. Dabei wollen die doch am liebsten draußen ihre Erlebnisse machen. Beim Klettern auf einen Baum und beim Herabfallen von ihm. Und sie wollen die Geschichten hören, die einen realen Hintergrund haben. Dafür benötigen sie kein „an den Bedürfnissen der Kinder- und Jugendbuchbranche“ ausgerichtetes interaktives Erlebnisbuch mit App aber ohne Pepp. Das ist keine neue Spieltheorie, das ist jahrhundertealte Erfahrung.

Was tun wir eigentlich unseren Kindern an, wenn wir sie mit derartigen „Lernmaterialien“ beschenken?

Kinder erfassen ihre Welt am liebsten selbst, und das im Grunde ab ihrer Geburt. Sie erfassen sie aber nicht dadurch, dass ein überaus reichhaltiges Wissensangebot über sie gestülpt wird, sondern im aktiven Umgang mit ihrer Umwelt, mit Interaktionen zwischen dem, was und wer sie umgibt.

Sicher, es gibt ja die hervorragend gestalteten Lernbücher mit naturnahen Illustrationen, die Wissen vermitteln und zum Hingucken anregen. Doch vermögen sie Kindern Erfahrungen vorzubereiten und das Umfeld zu gestalten, heute oder morgen? Und wen erreichen sie überhaupt?

Die Bücherregale mit im nachhaltigen Sinne wertvollen Büchern wollen gefunden werden. Und sie gibt es. Nicht immer lassen sich Erzählungen mit nachhaltigen Inhalten leicht entdecken. Wie gesagt, literarisch verarbeitete Stoffe des „Genre Nachaltigkeitsliteratur“ verkaufen sich schlecht. Wenige Verlage, eher kleinere, widmen sich diesem Gebiet, wenn auch weniger wissentlich, dass sich ihre Titel überhaupt in das Nachhaltigkeitsregal stellen lassen könnten. Ein Trost, dass man sich wenigstens auf nachhaltige Produktionsweisen mit Holzzertifikaten und Energieeinsparungsmöglichkeiten besinnt. Doch was ist mit Farben, was mit dem Transport und, um den sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit aufzugreifen, was ist mit einer anständigen Beschäftigung der am Werk beteiligten Autoren und Künstler?

Kataloge und Listen von Vereinen und sonstigen Nichtverlagen müssen durchforstet werden, will man Bücher für Kinder und Jugendliche finden, die Nachhaltigkeit thematisieren.

Und so kommt es, dass die Suche nach Literatur zum nachhaltigen Leben auf der Buchmesse 2013 schließlich von einem lauen Lüftchen erfrischt wurde: In den Klima-Buchtipps der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. (Alarm am Polarmeer) und in der Bücherbox der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (Nora und der Klimawandel).

Sicher, bei tausenden von Büchern mag es sein, dass nicht alle Geschichten mit nachhaltigen Themen während der Bücherschau zu entdecken sind. Gerne dürften es mehr sein, die dem Besucher in das Blickfeld geraten, denn es geht um unsere und besonders um die Lebenswelt unserer Kinder. Das laue Lüftchen möge sich zur festen Brise verstärken, jener festen Brise, die die Rotoren antreibt, welche uns in der Zukunft die Energie liefern soll.

Klemens Gieles

DGA 21 e.V. / WALUBO-Land